Hermann Sicke13.11.18

Hermann Sicke ist am 13. November 2018 verstorben. Im Gottesdienst der Pfarrgemeinde St. Kilian am 11. Dezember um 8:30 Uhr wird des Verstorbenen gedacht. Die Beisetzung ist um 9:30 Uhr auf dem Friedhof in Lichtenau.

Am Beerdigungstag fand Pfarrer Josef Wördehoff in der hl Messe für unseren Verstorbenen folgende Worte:

Liebe Gemeinde.

Als gläubige Menschen nehmen wir heute Abschied von Hermann Sicke.

Als gläu­bige Menschen nehmen wir Anteil an seinem Tod und zeigen uns seinem Sohn solidarisch in der Trauer.

Lassen Sie mich zunächst erst einmal unseren Dank an die Stadt Lichtenau und unserem Ortsvorsteher Herrn Scholle ausdrücken. Schließlich haben dort die entscheidenden Stellen dafür gesorgt, dass Herr Sicke überhaupt hier in Lichtenau bestattet werden kann.

Schließlich ist er ja in Paderborn verstorben und unsere Gesetze sind so, falls keine Angehörigen für die Bestattung sorgen, dass dann die Stadt zunächst für die Bestattung sorgen muss.

Da haben dann die entscheidenden Stellen bei uns in Lichtenau dafür gesorgt, dass wir heute hier in Lichtenau den Gottesdienst und gleich auf dem Friedhof Herrn Sicke in heimatlicher Erde bestatten können.

Bedanken möchte ich mich auch bei Ihnen, dass Sie heute hierher zur Messe gekommen sind, um auch hier ihre Solidarität zu zeigen. Schließlich wollen wir ihn heute nicht nur so einfach begraben, sondern wir stehen hier als gläubige Christen, die mit vielen Menschen die Hoffnung und Zuversicht teilen, dass der Herr unseren Verstorbenen in die endgültige Gemeinschaft mit sich aufgenommen hat.

Beim Tode eines uns bekannten Mitmenschen versuchen wir gerne, uns an das Leben dieses Menschen, vor allem an gemeinsame Erlebnisse zu erinnern. Ich muss sagen, dass ich mich gerne an ihn erinnere. Ich muss bekennen, dass ich wenig über ihn weiß. Kennen gelernt habe ich ihn, als er im Jahr 2011 bei uns die Aufgabe übernahm, den Kirchplatz sauber zu halten. Im Laufe der Jahre habe ich dann immer wieder mit ihm kleine Small-Talks gehalten.

Primär haben wir über seine Tätigkeiten gesprochen, die er bei uns rund um die Kirche und das Pfarrhaus übernommen hat. Mehr habe ich ihn allerdings nur vom Pfarrhaus aus gesehen, wie er im Sommer seine Runden exakt genau mit dem Rasenmäher drehte, im Herbst das Laub zusammen fegte und im Winter den Schneedienst übernahm. Wenn im Winter bei uns im Pfarrhaus um 8.00 Uhr die Sekretärinnen kamen, dann mussten sie nicht durch den tiefen Schnee waden, sondern der Schnee war im Pad freigeschaufelt, das Salz gestreut. Wenn ich dann mit meinem Auto aus der Garage fahren musste, dann war der Platz vor der Garage freigeschaufelt.

Ein längeres Gespräch habe ich mit ihm damals geführt, als 2014 im Mai seine Frau Christa verstorben war. Da hat er mir von seinem Leben, dem Verkäufer bei Handschuh Schmidt, dem edlen Geschäft in Paderborn bis zu Jetztzeit erzählte. Als einen Glückfall  hatte er die Begegnung mit seiner Frau Christa mit ihrem Sohn angesehen, Beide hatte ihm den Halt gegeben, welchen er so lange gesucht hatte. 

Geklagt hat er eigentlich nie, höchstens mal, dass es seinem Hund nicht so gut gehe.

Erst im letzten halben Jahr hörte ich ihn auch mal über seine Schmerzen klagen.

Was mich dann noch besonders erstaunte, war das Faktum, dass ich ihn außer bei uns, anschließend dann noch an vielen anderen Stellen mit seiner gelben Jacke irgendwo fegen sah.

Ich habe einmal gesagt: „Der Hermann, der fegt sich durch ganz Lichtenau.“

Als ich nach seinem Tod einigen Leuten erzählen wollte, dass Herr Sicke tot sei, da wusste nicht jeder sofort, wer er war. Wenn  ich dann aber sagte, dass das der Mann mit der gelben Jacke und dem Straßenbesen war, da wusste es jeder. Und jeder sagte irgendein schönes Lob.

Dienstags stellte er unsere Mülltonne raus. Einmal sah ich ihn in unserer blauen Papiertonne mal herumkramen. Dabei schimpfte er über unsere Sekretärinnen, die Briefumschläge mit guten Briefmarken weggeworfen hatten. Er suchte deshalb alle Briefumschläge heraus, die mit einer normalen Briefmarke frankiert waren und steckte sie ein. Als ich ihn fragte, wozu er das mache, da sagte er, dass er diese Briefmarken für Bethel sammele. Wörtlich: „Schließlich muss man doch dort den armen Menschen helfen“.

Diese Aussage beschämte mich eigentlich, betrachtete ich ihn doch selbst als arm.

Er, der mit seinem sprichwörtlich krummen Rücken leben musste, er sah mit seinem krummen Rücken noch tiefer hinab und sah dadurch Menschen, die ich gar nicht mehr im Blick hatte.

Die letzte Begegnung mit ihm hatte ich, als am Montag nach dem Klostermannmarkt die Polizei bei mir anrief und fragte, ob ich einen Schlüssel von seiner Wohnung hätte, da die Nachbarn, die ihn 2 Tage nicht gesehen hatte, sich Sorge um ihn machten.

Vor seinem Haus hatten sich mehrere Menschen versammelt, die dann sahen, dass die Feuerwehr das Schloss aufgebohrt hatte und sich Zugriff zu seiner Wohnung verschafft hatte.

Mitgenommen sah er aus. Das Angebot der Sanitäter, ihn ins Krankenhaus zu bringen, lehnte er ab, weil er sich Sorge um seinen Hund machte.

So war er eben. In seinem eigenen Leid noch die Not des oder der Anderen zu sehen.

Nun ist er tot.

Bei der Vorbereitung auf diese Predigt kann mir der alttestamentliche Hiob ins Gedächtnis, der seinem und unserem Gott mit folgenden Worten einen Vorwurf machte: „Gott, du zeigst dich grausam gegen mich und geißelst mich mit deiner starken Hand. Gott, ich verstehe deine Pläne nicht. Weshalb muss gerade ich das alles ertragen?"

Ich stelle mir vor, dass unser Verstorbene diese Worte sicherlich manchmal auch so vor sich hingedacht haben muss.

Wir wissen nicht, ob und wie Hermann Sicke in seinem Herzen mit Gott gerungen hat. Was er in den Augenblicken des unerträglichen und sinnlosen Schmerzes gedacht haben muss, das ist und bleibt ein Geheimnis zwischen Gott und ihm.

Vielleicht hat er so manches mal in seiner kleinen Wohnung so vor sich her geschrien:

„Mein Gott, warum hast du mich verlassen?"

Vielleicht hat er sich dann auch mit dem alttestamentlichen Hiob gedacht „Gott, vom Hörensagen hatte ich von dir gehört; nun aber hat mein Auge dich gesehen. Ich glaube an deine Liebe."

Herr Sicke hat sein Leben in die Hände Gottes zurückgegeben.

Wir beten und hoffen, dass er Gottes Liebe jetzt endgültig erkennt.

Ich muss sagen, dass für mich Beerdigungsgottesdienste deshalb so wertvoll sind, weil es in so einem Gottesdienst nicht nur um den Verstorbenen geht, sondern auch um uns selbst, die wir weiterleben. Denn das Leben, unser Leben geht weiter.

Keiner von uns weiß, was das Leben für ihn noch bereithält. Vielleicht sehen wir der Zukunft manchmal mit Angst entgegen.

So wollen wir in dieser Feier des Gedächtnisses des Herrn unseren Glauben an die Auferstehung, an die Liebe Gottes über den Tod hinaus bekennen, indem wir für Hermann Sicke beten und von hier aus mit einer größeren Zuversicht in unseren Alltag zurückkehren im

Vertrauen darauf, dass Gottes Treue bestehen bleibt.

 

 

 

 

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